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Science Fiction – Leseprobe aus dem Kapitel “Goodbye, Stadtleben”

Science Fiction Roman: Connors Licht – Begegnung der fünften Art

Eine Leseprobe aus dem Science Fiction Roman, unkorrigierter Entwurf.

***

Auf dem Schreibtisch sieht es wild aus.
Ein Stapel alte Videokassetten, DVDs mit den X-Files, vergriffene Science Fiction Romane, ein paar Ordner mit Zeitungsausschnitten und vergilbten Diagrammen, Radarbildern, alten Schwarzweißfotos, dazwischen ein lieblos zusammengewürfeltes Frühstück. Connor hängt stur am Bildschirm, liest in einem Forum leicht amüsiert, wie gerade das Video eines kanadischen Ufo-Filmers zerrissen wird.
“Fake, Mann. Da brauch ich nichtmal ein zweites Auge um das zu sehen. Das ist so grottig schlecht gemacht. Und immer muß es blinken. Blinken – hallo? Wofür brauch ET einen Blinker? Idiot…”
Er rückt seine Lesebrille zurecht. Die brauch er seit kurzem, die Zeit und das ständige Sitzen vor dem Bildschirm hinterlassen ihre Spuren. Aber er ist eitel und so werden ihn wohl höchstens die Mäuse im Haus damit sehen.

Es ärgert ihn wirklich, daß sich überall auf der Welt kleine Selbstdarsteller in den Vordergrund spielen, indem sie wie beim Geldscheinangeln Ahnungslose an der Nase herumführen und scheinbar unheimlichen Spaß dabei haben. Vielleicht stecken aber auch gezielte Aktionen dahinter, um von echten ‘Überflügen’ abzulenken? Wer weiß das schon.
‚Trotzdem, echt nicht besonders originell, dein Tape.‘ Er zieht die Augenbrauen hoch und runzelt danach wieder die Stirn. ‚Daß diese Spinner Debunkern auch immer wieder frisches Futter geben müssen. Ihr schießt euch damit doch selbst ins Knie. Dämlich.‘ Connor kratzt sich das unrasierte Kinn und schaut über den Monitor aus dem Fenster, zwei Raben streiten sich lautstark auf dem Holzstapel um einen verwitterten Stoffetzen.

Er weiß, gerade heute ist es vergleichsweise einfach, mit ausreichend Geschick und grundlegenden Kenntnissen über spezifische Charakteristika des Ufo-Phänomens, etwas zu konstruieren, das fliegt, steuerbar ist und den großen Verwandten aus Hollywood ziemlich ähneln kann. Für den überraschten Beobachter. Es ist kein Problem, mit ein wenig krimineller Energie und spitzbübischer Motivation, eine verschlafene Kleinstadt in Panik zu versetzen. Längst bedarf es keiner großen Akkus, stromfressender Glühlampen und Motoren mehr, um ein lohnendes Objekt für Youtube und die willige Ufo-Gemeinde zu schaffen. Das Web wimmelt inzwischen von Wannabe-Ufos und macht es den kleinen, meist nur aus eigener Tasche finanzierten Forschergruppen schwer, die wenige Freizeit den Fällen zu widmen, an denen manchmal doch etwas dran zu sein scheint.

Wieviele Stunden hat er schon Videos angeschaut, durch Filter gejagt, mit Fotos verglichen, die Beschreibungen von Zeugen gelesen. Immer wieder stecken Stunden voller Hoffung in seinen Bemühungen, ein kleines Detail zu finden, das ein anderer übersehen hat. Irgend ein Indiz, was zum Beweis aufsteigen könnte. Doch immer endet es auf die selbe Weise; keine ausreichenden harten Fakten, oder klarer Fake. So stapeln sich auf der einen Seite jede Menge Sichtungen von ungewöhnlichen Objekten im Luftraum, die sich als bekanntes, aber vergleichsweise seltenes physikalisches Phänomen herausstellen, auf der anderen Seite bleibt ein kleiner Rest, der sich keiner Sache eindeutig zuordnen läßt. Dort hat er die Wahl; bohre ich weiter und trage noch mehr vage Informationen zusammen, oder belasse ich es und freue mich, daß einer irgendwo zufällig etwas aufgezeichnet hat, was der ‘Real Deal’ sein könnte – oder auch alles andere.

Leicht deprimiert rührt Connor im Tee herum und schaut auf die unappetitlichen Schwebteilchen darin. ‘Wie viele Jahrzehnte wollen wir uns noch damit begnügen, Berichte zu sammeln und auszuwerten, nur um dann wieder und wieder zu erleben, daß sich der nächste Depp dazu entschließt, die Venus als Ufo beim Revier zu melden. Dummes Gegacker über grüne Männchen beim Lokalblatt ist noch das Geringste, was man dann zu erwarten hat. Die Skeptiker freuen sich wieder über neues Wasser auf ihren Mühlen, die nicht so dogmatischen Ufo-Anhängerschaft dagegen wird wieder über einen Kamm geschoren und zu Schulabbrechern und Analphabeten abgestempelt.’
“Was solls, wird nicht das letzte Mal sein.” Connor runzelt die Stirn, greift zum Brötchen mit selbstgemachtem Erbeergelee, beißt halbherzig ab und ist schon wieder auf der Suche nach neuem Videomaterial.

Als es auf Mittag zugeht, schaltet er den Rechner aus, lehnt sich auf dem knarrenden Korbstuhl zurück und verschränkt die Arme hinter dem Nacken. ‘Sollte mal den Kopf freikriegen und mich wieder mit Leuten umgeben. Die Wildscheuche funktioniert und ich könnte mich locker für ein paar Tage verdrücken. Oder wenigstens, bis ich wieder ‘ne konkrete Idee hab, wie es weitergeht.’ Er befürchtete tatsächlich, daß er die wohl idealsten Bedingungen um sich hatte, um zu einem echten ‘durchgeknallten Spinner’ zu werden. Die Stille, die völlige Abgeschiedenheit und diese Unmengen an Informationen und Mediendatein, die er Monat für Monat durchackerte. Zumal alles Themen, mit denen sich doch kein normaler Mensch in seinem Altag beschäftigen würde. Aliens, Ufos, Irrlichter; Dinge, die oft scheinbar zusammengehören, möglicherweise den selben Ursprung haben, aber sich nicht ohne ein bleibendes Maß an Zweifeln vernünftig erfassen lassen. Sie gehören einfach nicht zum konservativen Leben, das die meisten Menschen führen. Wer findet schon die Nerven, sich ernsthaft über geometrische Parameter eines unidentifizierten Flugobjektes zu unterhalten, wenn das Kind sich mit Schnupfen und Fieber plagt, man sich um die überfällige Versicherung des Eigenheims kümmern muß und der Chef die Abgabe des Projektentwurfes erwartet. …………


- mehr zum Thema Ufos (externer Link) –

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